Forum

Für die Erarbeitung der Dokumentationen wurden insgesamt 1.570 Literatur-, Archiv- und Personenquellen verarbeitet. Angesichts der Vielzahl von Einrichtungen und Arbeitsformen sowie der Komplexität des Feldes incl. seiner internen Dynamik im Zeitverlauf ist dennoch anzunehmen, dass es Lücken gibt oder Präzisierungen sinnvoll erscheinen. Hier sind alle Interessierten eingeladen, diesbezügliche Informationen mitzuteilen. Auch Literaturhinweise und Zeitzeugenerinnerungen sind willkommen.

Die Seite wird redaktionell betreut, d.h. Kommentare erscheinen zum Schutz vor Spam erst nach ihrer Sichtung online. Sobald eine relevante Anzahl an Kommentaren vorliegt, werden diese in einer gesonderten Rubrik und in der Struktur der Bildungsbereiche präsentiert.

Zur Zeit interessieren uns aufgrund von Ausarbeitungen, die aktuell entstehen, vor allem Informationen zu zwei Aspekten: zum einen Hinweise auf Graue Literatur, also nicht verlags- und buchhandelsgebundene Literatur (incl. unveröffentlichter oder auf Universitätsservern online veröffentlichter Graduierungsarbeiten von Bachelor bis Habilitationsschriften); zum anderen Hinweise auf konfessionell geprägte Bildungseinrichtungen jeglicher Art, die zwischen 1945 und 1989 auf dem Territorium Sachsen-Anhalts bzw. der Bezirke Halle und Magdeburg bestanden, und auf Informationsquellen zu diesen.

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7 Antworten auf „Forum“

  1. Hinweis:
    Peer Pasternack und Daniel Watermann vom Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF) haben die Website http://www.uni-wittenberg.de erstellt, die nun online gegangen ist. Die Universität Wittenberg Leucorea gibt es seit 1817 nicht mehr, und folglich gab es sie bisher virtuell nicht. Das marginalisiert sie, trotz ihrer Bedeutung, im kulturellen Gedächtnis. Um dem abzuhelfen, ist die Leucorea nun online gebracht worden. So konnte mit einiger Verspä­tung dem misslichen Umstand abgeholfen werden, dass die Wittenberger Universität aus der Perspek­tive des Internetzeitalters 180 Jahre zu früh aufgehoben worden war. Entstanden ist eine Fundgrube an historischem Material und Forschungsliteratur, größtenteils als Volltextdigitalisate.

    Die Website soll aber auch zeigen, dass selbst nach einer Universitätsauflösung das Leben weitergeht. Deshalb enthält das Hauptmenü auch zwei Rubriken, in denen das präsentiert wird, was sich nach 1817 in Wittenberg in den Bereichen Wissenschaft und Höherer Bildung entwickelt und entfaltet hat.
    In der Rubrik „1817-1989“ werden alle relevanten Einrichtungen mit umfangreichem Volltextmaterial präsentiert. Da der Zeitraum die SBZ/DDR einschließt, ist das dort angebotene Material auch für das Thema „Konfessionelles Bildngswesen in der DDR“ relevant. Die dokumentierten Einrichtungen, soweit sie hier interessieren, sind: das Evangelische Predigerseminar Wittenberg (seit 1817), die Lutherhalle Wittenberg (seit 1883), das Kirchliche Forschungsheim Wittenberg (seit 1927), die Evangelische Predigerschule Wittenberg (1948-1960) und zudem diverse Archive, die Teil der reformationshistorischen Infrastruktur in Wittenberg sind. Zu diesen Einrichtngen findet sich dort jeweils umfangreiches Material.
    Wer sich für Kontinuitäten und Diskontinuitäten interessiert, kann dann in der Rubrik „Seit 1990“ schauen, wie es nach dem Epochenwechsel weitergegangen ist.

  2. Thomas Heller weist in seiner Rezension des Handbuchs in der „Zeitschrift für Pädagogik und Theologie“ (1/2021) auf folgenden Umstand hin: In (populär-)wissenschaftlichen Darstellungen des DDR-Bildungssystems werde „oft nach wie vor das Bild eines keine Ergänzungen kennenden und noch weniger zulassenden ,allumfassenden‘ sozialistischen Bildungsapparates gezeichnet“. Er verweist exemplarisch auf die Websites der Bundeszentrale für Politische Bildung. Solche Darstellungen seien letztlich ganz im Sinne des Gesetzes über das einheitliche sozialistische Bildungswesen von 1965. Hier leiste das Handbuch einen wichtigen Beitrag zur ergänzenden Korrektur.

  3. Eine weitgehende Blackbox stellt es nach wie vor dar, wie die Vereinbarung zwischen dem BEK und der DDR-Regierung aus den 80er Jahren umgesetzt wurde, dass einzelne kirchliche Mitarbeiter.innen ein rechtswissenschaftliches Studium an einer der staatlichen Universitäten absolvieren können, wenn sie dazu von einer Landeskirche delegiert werden. Einen derjenigen, die diese Möglichkeit noch kurz vor dem Ende der DDR nutzen konnten, haben wir nun kontaktieren können: Thomas Begrich, in den achtziger Jahren Verwaltungsleiter des Johanniter Krankenhauses Genthin. Er hat uns einige aufschlussreiche Impressionen mitgeteilt, die wir hier mit seinem freundlichen Einverständnis wiedergeben:

    1969 hatte ich ein Theologie-Studium in Halle begonnen. 1970 führte die DDR ein, dass alle Studenten während des zweiten Studienjahres eine mehrwöchige militärische Grundausbildung bei der NVA durchführen mussten. Da ich dies verweigerte, wurde ich exmatrikuliert und unmittelbar darauf zum sog. Wehrersatzdienst bei den Bausoldaten einberufen. Anschließend durfte ich nicht mehr studieren. Ich habe mich dann entschlossen, den Pfarrberuf nicht weiter anzustreben und eine Tätigkeit in einem volkseigenen Betrieb aufgenommen. Von dort wurde ich später zum Studium der Ökonomie (Fachschule) delegiert. Diese Fachschule unterstand nicht dem Ministerium für Hoch-und Fachschulwesen, sondern einem der verschiedenen Wirtschaftsministerien. So konnte ich tatsächlich doch noch studieren.
    In den achtziger Jahren war ich dann Verwaltungsleiter des Johanniterkrankenhauses in Genthin, welches zur Landeskirche der Kirchenprovinz Sachsen gehörte. Bei dieser Arbeit wurde mir schnell deutlich, dass ich vernünftigerweise nicht nur kaufmännische, sondern auch juristische Kenntnisse haben sollte. Nun hatte ich gerüchtweise gehört, dass die evangelische Kirche jedes Jahr eine Person zum Fernstudium der Rechtswissenschaften an die Humboldt-Universität in Berlin delegieren könnte. Ich bat also den damaligen Konsistorialpräsidenten in Magdeburg, Martin Kramer, um eine entsprechende Delegierung. Er wusste nach eigenem Bekunden von einer Regelung, dass die Kirche delegieren könne, nichts. Dennoch war er gern bereit, mich zu delegieren. Das geschah dann auch. Erstaunlicherweise hat das dann auch funktioniert.
    Das Fernstudium fand dann eng begleitet durch 14-täglichen Unterricht jeweils freitags in der Magdeburger Außenstelle, einem heruntergekommenen Mietshaus, statt. Es war insgesamt mehr wie Schule als wie Studium. Besonderes Lehrmaterial gab es nach meiner Erinnerung nicht. Jedoch wurde viel auf entsprechende Literatur zurückgegriffen. Woher die Dozenten im Einzelnen kamen, weiß ich nicht. Der Dozent für Strafrecht war ein junger Mann von der MLU in Halle. Die Mitstudenten waren fast ausnahmslos in der SED; kirchlich war keiner von ihnen.
    Im Frühjahr 1990 wurde die Außenstelle in Magdeburg aufgelöst. Wir fuhren dann zu den Konsultationen nach Halle. Es war wohl Ende des Semesters, dass uns mitgeteilt wurde, dass wir nunmehr das Studium nach bundesdeutschem Recht fortführen müssten. Mir war klar, dass die bisherigen fachlichen Grundlagen dafür völlig unzureichend waren und ich mit dem Wechsel an die Landeskirche gar keine Zeit mehr für ein so aufwändiges Studium hatte, so dass ich mich dann habe exmatrikulieren lassen.

  4. Am 26.11.2020 haben wir im Arbeitskreis „Theorie und Praxis der kirchlichen Bildungsarbeit in der DDR“ bei der Forschungsstelle „Kirchliche Praxis in der DDR. Kirche (sein) in Diktatur und Minderheit“ (Theologische Fakultät der Universität Leipzig) die zentralen Ergebnisse unserer Recherchen vorgestellt. In der anschließenden Diskussion gab es zwei Hinweise auf weitere relevante Arbeitsformen:
    Zum einen habe es – analog zu den Aktivitäten der Jungmännerwerke – auch eine Mädchenarbeit gegeben, getragen von der evangelischen Frauenarbeit.
    Zum zweiten wurde auf eine regelmäßige Werkstatt Feministische Theologie hingewiesen, gleichfalls von der evangelischen Frauenarbeit getragen und im Jugendheim Hirschluch in Storkow/Mark stattfindend (nicht zu verwechseln mit dem Arbeitskreis Feministische Theologie, der im Handbuch steht).

  5. In Potsdam wurde 1979 eine Evangelische Ausbildungsstätte für Gemeindepädagogik eröffnet. Michael Schicketanz ergänzt den Gründungsakt aus den privaten Überlieferungen seines Vaters, Peter Schicketanz, zu dieser Zeit Konsistorialrat der KPS, um folgende Einschätzung:
    „Wir haben vor, dort eine neue Ausbildung für Kinder- und Jugendarbeit im September 1978 zu eröffnen. Das ist einigermaßen aufregend. Meist wird gespart und bestehende Ausbildungsstätten zur Zusammenarbeit und Reduktion zu bringen ist unheimlich kompliziert. Demgegenüber ist der Aufbau einer neuen Ausbildung vergleichsweise leicht. Bis jetzt jedenfalls.“ (Brief von Dr. Peter Schicketanz am 2.10.77 an seine Mutter)

  6. Markus Schmidt nimmt in der „Ökumenischen Rundschau“ 4/2020 die Darstellungen zu den Hauskreisen zum Anlass, weitere Formen religiöser Allgemeinbildungsaktivitäten zu erinnern. Die Hauskreise – „eine fluide Form der informellen Netzwerkbildung“ – hätten einen Fall der kirchlichen Bildungsarbeit auf der Grenze zum Privaten dargestellt, und damit erinnerten sie an weitere solche Grenzfälle der religiösen Allgemeinbildung, die sich nicht im Buch finden:
    „Rüstzeitarbeit, Einkehrtage bzw. Retraitenarbeit etc. Hier wären auch Formen der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit zu nennen, die z.B. im Kontext der innerkirchlichen charismatischen Bewegung (Volksmissionskreis Sachsen, Südharzbruderschaft, Lauenhainkreis u.a.) als Rüstzeiten, Oasenwochen, verbindliche Freundeskreise und Geistliche Gemeinschaften bestanden und z.T. neben der Allgemeinbildung auch Schulungen für ehrenamtliche Mitarbeiter durchführten.“
    Ebenso ließen sich „als Bindeglied zwischen Hauskreisarbeit und Theologiestudium auch die studienbegleitende Arbeit mit bzw. von Theologiestudenten“ nennen:
    „Anders als in der damaligen BRD, wo die evangelikale studienbegleitende Arbeit als Zusatzprogramm zum Theologiestudium durch Bekenntnisgruppen durchgeführt bzw. organisiert wurde, organisierten Studenten vergleichbare Arbeitsformen selber (als Hauskreise, als Rüstzeiten, mit Pfarrern, als Geistliche Gemeinschaften) oder die Ausbildungsstätten bzw. Landeskirchen boten solche Begleitangebote an.“

  7. Christoph Kähler schreibt in seiner Rezension in der ThLZ 5/2020: „Angesichts der breiten Darstellung bleibt es nicht aus, dass manche Einrichtungen und Arbeitszusammenhänge nicht erfasst oder sachlich bzw. terminologisch nicht korrekt dargestellt werden.“ Er benennt aus seiner unmittelbaren Erfahrung:
    • katechetische Lehrgänge beim Theologischen Seminar Leipzig fanden mangels ausreichender Bewer-bungen lediglich in zwei Durchgängen statt;
    • Erwähnung finden können hätten noch der einmalige „Kirchliche Kursus für Kinder- und Jugendarbeit“ (1985–1990) in Leipzig, die jährlich tagende Arbeitsgemeinschaft der evangelischen und katholischen Neutestamentler, der katholische Buchhandel incl. seiner Vernetzung sowie das Jungmännerwerk in Mecklenburg;
    • dass es am Sprachenkonvikt in Berlin einen eigenen gymnasialen Vorkurs gab, mithin Immatrikulationen ohne Abitur, ist so nicht richtig. Allerorts hatten die drei alten Sprachen von vielen erst innerhalb des Theologiestudiums erlernt werden müssen.

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